August 2000

September 2000

Freitag, 1. September
Endlich, meine ATM Card funktioniert ! fahre direkt nach der Arbeit zur Party in der Amerikanischen Botschaft: es sind diesmal weniger Leute da als vor zwei Wochen, da heute die Ferien (1 Woche) an der Uni anfangen und somit die meisten (Austausch-)Studenten nach Malaysia, Borneo oder Hong Kong fahren; hab aber trotzdem viel Spaß; danach afterhour bei Chris (Neuseeland) und John (Australien);

Samstag, 2. September
Fahre zur Uni und bezahle meine Miete und hol mir dann die Unterlagen vom Medical Test ab, leider ist der Umschlag verschlossen; mit diesen Unterlagen muss ich jetzt beim Immigration Office mein Visa und meinen Student Pass beantragen;
ich schau mit dann mal die (Center-)Bibliothek an und bin überrascht, hier auch viele nicht-wissenschaftliche Bücher zu finden; das Angebot an mathematischen Büchern ist nicht so groß wie in München, aber ich geh mal davon aus, daß es auch noch eine Fachbereichsbibliothek gibt; danach Essen, Computerraum und Swimming Pool;
gehe abends mit Oli in die nächste Kneipe zum Billardspielen; werden von Locals herausgefordert und verlieren natürlich beide unsere Spiele haushoch, aber der Wirt gibt uns daraufhin etwas Nachhilfe; für ein Glas Bier (0,3l) bezahlen wir 8 S$;

Sonntag, 3. September
Schaue mir am Vormittag Chinatown an; auf dem Markt ist alles sehr frisch, die meisten der Fische, Prawns, Frösche und Schildkröten sind noch lebendig; besuche auch einen Tempel (keine Ahnung welche Religion), muß dazu die Schuhe ausziehen, drinnen ist u.a. ein großer Tisch, wo viele Inder rum sitzen und was essen; trau mich allerdings nicht zu fragen, ob man da auch als Tourist was zu essen bekommt;
später aufs WOMAD (WOrld-Music-Art-Dance), ist wohl am ehesten mit Tollwood zu vergleichen; ich höre Hari Prasad Chaurasia, einen der berühmtesten indischen bamboo flute player, und noch weitere Bands aus der ganzen Welt;

Montag, 4. September
Seit gestern wird die Buslinie, mit der wir alle zur Arbeit fahren, von einem anderen Busunternehmen bedient; die Busse sind neuer und größer und in den Sitzen hat man jetzt auch als Europäer Platz für den ganzen Oberschenkel; aber was noch wichtiger ist: die Fahrt dauert jetzt um 10 Minuten kürzer, d.h. 10 Minuten mehr Schlaf !
abends müssen wir unseren Caipi-Abend verschieben, weil wir keine Limetten auftreiben (wir haben zwar einen eigenen Limettenbaum in unserem Wohnzimmer, ich glaub aber, daß mich Joscha erschlagen würde, wenn ich ihn plündere); deshalb wird's ein gemütlicher Bier- und Chipsabend;

Dienstag, 5. September
Heute mach ich nach der Arbeit eigenlich nichts anderes, als Schlaf nachzuholen;

Mittwoch, 6. September
Fahr nach der Arbeit direkt zur Uni zum Abendessen und verbring viel Zeit im Computerraum;

Donerstag, 7. September
Justin (lokal, war mit demselben Austauschprogramm in München) bringt mir seine Bohrmachine vorbei, so daß wir endlich einen Duschvorhang aufhängen können; die Idee macht Runde und schließlich kümmert sich keiner mehr darum, daß wir ja eigentlich nicht mal Nägel in die Wand schlagen dürfen; für was haben wir denn alle die Haftpflichtversicherung abgeschlossen ?

Freitag, 8. September
In der Arbeit gehen wir mittags zum Schildkrötenessen, schmeckt allerdings nicht besonders gut; soll aber vor Krebs schützen und einen Energieschub geben, so daß man 24 Stunden nicht schlafen muß, wovon ich allerdings nicht merke;
abends ins Kino: Hollow Man (ist ziemlich langweilig);

Samstag, 9. September
Beantrage vormittags im SIR (Immigration Office) meinen Student Pass (Visa), muß dort lange warten, aber sie haben dort Fernseher wo Mr. Bean läuft; ich kann meinen Reisepass am Mittwoch wieder abholen und dann endlich auch mit dem Reisen beginnen;
am Nachmittag zusammen mit Oli großer Wohnungsputz; jetzt können wir auch unsere zwei neuen Teppiche (bzw. Strohmatten) ausbreiten, was unser Appartement gleich viel wohnlicher macht;
abends gehen wir mit nem gemischten Haufen (3 x Deutschland, 2 x Holland, 1 x USA, 1 x Singapur/Holland) in die Chinese Gardens zum Moon Festival: viele bunte Lampignons (schreibt man das so ?), Dragon Dance, traditionelle Tänze, viel Pokemon-Merchandising und natürlich Mooncakes;

Sonntag, 10. September
Fahre vormittags schon an die Uni und will ins Schwimmbad gehen: ist aber gesperrt (wegen Kanu-Polo !?!), dann halt nur in den Computerraum (Ergebnis vom Qualifying aus Monza anschauen);
dann nach Little India: einige Tempel und total leckeres Essen (schön spicy); es ist sonst am Nachmittag relativ wenig los: kaum Leute und viele Shops haben geschlossen; als ich aber um 7 heim muß, ist alles gesteckt voll, so daß ich hier bestimmt mal am Abend wieder herkommen werde;
komme dann gerade noch rechtzeitig zum Start in Gillman an: bester Crash in dieser Saison, aber Schumi ist schuld, daß Button ausscheidet; gehe heute schon um 22.30 Uhr (!!!) ins Bett;

Montag, 11. September
Arbeit, Essen, Joggen, Lesen, Schlafen.
Da nichts besonderen passiert, mal ein paar Worte zum Bussystem hier:
Mit den Bussen kommt man überall hin, meistens sogar ohne Umsteigen; nur nach Mitternacht muß man das Taxi nehmen, ist aber wesentlich billiger als in Deutschland; in den Bussen ist es wegen der Aircon meistens saukalt, so daß sich einige Leute schon erkältet haben; es gibt keinen gescheiten Fahrplan, so daß man nirgends nachschauen kann, wielange man für die Strecke braucht; man muß es halt vorher einmal ausprobieren; eigenlich sollten die Busse alle acht bis 14 Minuten fahren, es ist aber oft so, daß innerhalb von zwei Minuten zwei oder manchmal sogar drei Busse auf einmal kommen und beim nächsten mal muß man dann wieder eine halbe Stunde warten; aber wenigstens das System mit den Fahrkarten ist praktisch: man hat eine Karte, die man in den MRT (so was wie U-/S-Bahn)-Bahnhöfen aufladen kann, und in jedem Bus sind zwei Automaten, wo man sich das (Einzel-)Ticket rauslassen muß; dabei müsste man eigentlich vorher wissen, wieviel die Fahrt kostet (es gibt Tickets für 60, 80, 100, 110, 120, 130 und 140 Cents); beim Umsteigen braucht man ein neues Ticket; allerdings nimmt man immer nur das Ticket für 60 Cents, da man, wenn man kontrolliert wird (passiert mir so ein bis zwei mal die Woche) keine Strafe zahlen muß, sondern nur den Differenzbetrag; somit ist das Busfahren gar nicht so teuer;

Dienstag, 12. September
Hab heut Gespräch mit meinem Abteilungsleiter: bekomme jetzt mehr Geld (1250 S$/month), da das die Praktikanten bei Siemens auch bekommen (Martin, der andere Praktikant aus München, hat da nämlich mal nachgefragt, wieso wir so wenig bekommen); ich frag dann noch, ob wir während des Studiums Geld von Infineon bekommen (Siemens zahlt da nähmlich das volle Gehalt weiter und Infineon keinen Cent) und mein Boss verspricht mir, mal nachzufragen (er ist davon ausgegangen, daß wir Geld von der Uni bekommen würden);
fahre nach der Arbei mit Martin an die Uni zum Schwimmen und geh dann noch in den Computerraum;
Jen Nee (Malaysia) bringt uns am Abend noch einen Mooncake vorbei und wir schaun uns alle die Photos von Daniels und Joschas Trip nach Borneo an.

Mittwoch, 13. September
Putze nach nach der Arbeit das Bad und breite die neuen Badezimmermatten aus Plastik aus; denke, damit ist die Wohnungseinrichtung größtenteils abgeschlossen; danach mit Joscha zum Essen und zum Billardspielen: finden eindlich ein gescheites Billardcafe mit großen Tischen, die auch in gutem Zustand sind;

Donnerstag, 14. September
Bin heut nur zwei Stunden in der Arbeit; mein Supervisor schickt mich für den Rest des Tages an die Uni; auf dem Weg dorthin hol ich noch schnell meinen Reisepass und mein Visum (20 S$) und meinen Student Pass (40 S$); in der Bibliothek hole ich ein paar gescheite Bücher und paper über Electronic Packaging, da sie bei Infineon keine Bibliothek haben; ich hoffe, daß wir damit weiter kommen; bin sehr üerrascht über die Kopierpreise an der Uni: 2 cents pro Seite; in München würde das gerademal für das Papier reichen; merke die ersten Vorteile als Post Graduat Student: ich darf die Bücher 4 Wochen ausleihen, als Non Graduate darf man es nur für zwei Wochen; nach dem Essen zum Joggen: finde endlich eine Runde, wo ich dem Strassenlärm auskomme;

Freitag, 15. September
Hab heute keine Lust mich zu betrinken und gehe deshalb nicht auf die Party in der amerikanischen Botschaft sondern mit Joscha ins Kino (The Art of War); danach ins "Pappa Joe's": kaufen uns einen Jug (etwas mehr wie eine Maß) Bier für 30 S$; als wir später alle daheim sind, beschließen wir unseren Lime Tree zu ernten und alle unsere Alkoholvorräte zu vernichten, was uns allerdings nicht ganz gelingt;

Samstag, 16. September
Haben gemütliches Brunch mit französischem Baguette; danach zum Swimming Pool und ins Computer Lab; zum Essen kommen dann Tom und Patrick (München, NTU) vorbei; abends wollen wir Billardspielen, sind aber keine Tische frei; entscheide mich dann für Fluidmechanik;

Hausgecko

Sonntag, 17. September
Fahre ins Science Center - ein Museeum: ist allerdings sehr langweilig, weil alles auf Kinder zwischen 6 und 12 Jahren ausgerichtet ist; dementsprechend ist auch der Lärmpegel;
gehe dann zum Jurong Park: edlich mal kein Strassenlärm, dafür ein paar interessante Pflanzen und Tiere; abends Ratsch und Lernen;

Montag, 18. September
Nach der Arbeit Bummel durch ein paar Shopping Centres; abends begleitet mich Daniel zum Joggen;

Dienstag, 19. September
Abends ins Kino: Gossip; der erste Film, den ich hier sehe, wo nicht die Hälfte herausgeschnitten ist; danach noch gemütliches Bier;

Mittwoch, 20 September
Werden mittags von einem fiesen Regen überrascht, nehme deshalb ein Taxi zurück zur Arbeit; es gelingt mir dann endlich, ein Programm zum laufen zu bringen, an das wir schon zwei Wochen rumbasteln; danach zur Uni in den Computerraum; kann immer mehr Leute zum Joggen animieren: Daniel und Marco begleiten mich; wir sehen bestimmt so an die 20 Fledermäuse;

Donnerstag, 21. September
Gleich nach der Arbeit ins "Pappa Joe's": 60's Party mit "free flow of food and drinks", und das alles ohne Eintritt;

Freitag, 22. September
Aufgestanden, wollte die Katze treten, leider haben wir keine;
abens Essen, Joggen, Billard (es spielen hier erstaunlich viele Leute Pool auf den Snooker-Tischen), kleines privates Oktoberfest;

Samstag, 23. September
Frühstück, Wäsche, Putzen, Computerraum, Essen, Wohnheimparty, Pokern bis um 5;

Sonntag, 24. September
Brunch, Computerraum, kurz in die Bibliothek (ein paar paper kopieren), Swimmingpool; abends Moonwalk mit ca. 40 Leuten aus dem Wohnheim zum Labrador Park: dient dem besseren Kennenlernen (es gehen ja nicht alle Leute immer auf die Partys); das erste Mal, daß ich hier ans Meer komme; das Formel 1 Rennen aus den USA wäre um 2 Uhr in der Nacht, ist mir zu gefärlich, daß ich dann in der Arbeit einschlafe mit nur 3 Stunden Schlaf; das ist das erste Rennen, das ich in dieser Saison verpasse, weil es wegen diesen dämlichen Olympischen Spielen diese Woche auch kein Replay gibt;

Montag, 25. September
Die TU-Delegation aus München mit Prof. Koch und allen Studien-Dekanen ist gestern in Singapur angekommen (sie bleiben eine Woche); wir haben gemeinsames Essen beim Inder; jeder sitzt beim Dekan seiner Fakultät; tolle Gelegenheit, sich mit Prof. Schlichting mal länger zu unterhalten; ich kann Herrn Koch endlich mal festnageln, mir zu sagen, was mit dem (mir schriftlich zugesicherten) Reisekostenzuschuß von 1200 DM ist: er sagt mir nur, daß ich wohl keine Chance haben werde, das Geld zu sehen, weil Infineon nichts bezahlen will; Tip für die Nachfolger: geht auf keinen Fall zu Infineon sondern zu Siemens, die zahlen insgesamt über ca. 6000 S$ mehr ! oder sucht euch notfalls selbst ein Praktikum (z.B. über Contact Singapore oder Kontakte eurer Profs); (Nachtrag dazu siehe am 7. Dezember); danach gehen wir noch mit einigen Profs ein Bier trinken;

Dienstag, 26. September
Abends mit Christian (München) ins Kino: The Cell

Mittwoch, 27. September
Nach der Arbeit zwölf Bahnen im Pool (ich hab mir jetzt endlich mal ne Schwimmbrille gekauft; das Wasser ist ziemlich chlorhaltig) und dann vor den Computer;

Donnerstag, 28. September
Gehe nach der Arbeit und dem Essen mit Martin zum Joggen; brauche den Rest des Abends, um wieder zu Kräften zu kommen und meine Wäsche au waschen;

Freitag, 29. September
Direkt nach der Arbeit zum Essen und dann zur Amerikanischen Botschaft; ein paar Leute von der TU-Delegation (,die von einer Woche Singapur ziemlich gelangweit sind,) sind auch da; danach noch gemütliches Bier daheim;

Wochenende: Trip nach Bintan (Indonesien)
Samstag, 30. September
Wir wollen um 8 Uhr los, Chistian ist wach, wir läuten Jaring (Holland) und Martin raus; diese haben aber gestern Abend beschlossen, daß wir erst um 9 Unr starten, haben aber vergessen, uns Bescheid zu geben; Christian und ich informieren uns halt dann mal derweil über die Fähre und schauen im Fernsehen Heidi (ja genau, die Zeichentrickversion) auf Malay oder einer anderen asiatischen Sprache an; das mit dem Jodeln bringen die aber nicht so ganz hin; holen dann um 9 Philia und Joul (beide Holland) ab und nehmen Taxi zur anderen Seite von Singapore, wo die Fähre startet; diese kostet hin und zurück 30 S$ und braucht knappe zwei Stunden;
Bintan ist eine indonesische Insel und ist etwa so groß wie Singapore; Zeitunterschied: 1 Stunde;
wir werden gleich am "Hafen" von zwei Führern abgefangen, die wir auch nicht so schnell wieder los werden; sie bringen uns zum Geldwechseln, Boardpaß für die Rückfahrt Abholen, Essen (Getränk aus hygienischen Gründen ohne Eiswürfel);
der Unterschied zu Singapore ist ziemlich krass, da die Leute hier ziemlich arm sind und man die ganze Zeit angebettelt wird; dafür sind aber alle total freundlich und schauen nicht wie die Chinesen nur in den Boden sondern lachen einen an und versuchen, mit ihren zwei Sätzen Englisch ins Gespräch zu kommen; wir nehmen dann zwei Taksis und fahren an die andere Seite der Insel zum Strand; einer der Führer will mit ins Taksi einsteigen und uns begleiten, es gelingt uns aber, das zu verhindern; Fahrt dauert etwa eine Stunde und kostet ca. 16 S$, Fahrer hat eine Metallica-Kassette dabei; wir treffen zufällig Tom und Patrick (München, NTU);
shower & toiletQuartier: kleine Palmhütten, jeweils 2 Leute eine; Dusche und Klospülung bestehen aus einer Tonne mit grünlichem Wasser, das sie aus dem Sumpf herpumpen, und einem kleinen Behälter zum Schöpfen; zum Zähneputzen nehmer wir aber doch lieber Mineralwasser; Meer ist zwar nicht besonders tief, aber sauber genug, um ohne Bedenken hineinzugehen; es gibt Eisvögel, viele Krebse und Fledermäuse; außer uns sind keine Leute da, wir haben also im Prinzip unseren Privatstrand;
kaufe mir in einem kleinen Laden einen Sarong; schneide mich beim Versuch, eine Kokosnuß zu öffnen, in den Finger, nur um dann festzustellen, daß sie noch nicht reif ist; die Milch schmeckt aber dafür lecker; die Jungs, die das alles hier verwalten (die Hütten gehören ihren Eltern) machen uns was warmes zum Essen; sie haben dort auch eine Stereoanlage, allerdings nur drei Kassetten; wir verbringen mit ihnen den Abend und "vernichten" den Tiger.


Oktober 2000
9:33 PM 10/2/2000