Dezember 2000

Januar 2001

Montag, 1. Januar
Brunch und dann am späten Nachmittag mal an die Uni und schauen was für Vorlesungen es denn gibt und was ich denn studieren könnte; werd mir mal wie üblich in der ersten Woche mal etwas mehr Vorlesungen anhören und dann entscheiden;

Dienstag, 2. Januar
Erster Unitag; hol mir nach der ersten Vorlesung meine Schlüssel vom neuen Zimmer auf dem Campus: klein aber sauber und neu; mal wieder Diskussion, ob ich denn Undergraduate oder Postgraduate-Student bin, macht übers ganze Semester gesehen 500 S$ Unterschied in der Miete aus; Entscheidung wird wohl erst in ein paar Tagen fallen; fahr dann nach Gillman Heights und fang an zu packen; bring dann zusammen mit Daniel eine erste Taxifuhre mit Zeug auf den Campus; dann nochmal Vorlesung und abends nochmal alle zusammen nach Gillman Heights, sind schon wieder neue Bewohner in unseren Zimmern;

Mittwoch, 3. Januar
Vorlesung, Essen, nochmal Taxifuhre von Gillman zum Campus, fang dann mal an zu putzen und mich einzurichten; von 18 bis 21 Uhr noch mal Vorlesung, dann zum Joggen (einmal um den Campus) und dann noch zwei Folgen Southpark anschauen;

Donnerstag, 4. Januar
Erste Vorlesung um 12, ist aber weder ein Prof noch Studenten da !?, am Nachmittag, Orientation Day for Exchange Students, wird mir aber nach ner Stunde zu langweilig, widme mich wieder der Einrichtung meines Zimmers; abends noch mal Vorlesung und dann zum Einkaufen;

Freitag, 5. Januar
Organisationskram an der Uni; abends Geburtstagsfeier in Gillman Heights;

Samstag, 6. Januar
Die Vorlesung, die ich heut hören wollte, fällt leider aus; wir gehen dann nach Chinatown in ein Teehaus zur Chinesischen Teezeremonie; abends ins Kino: "Possessed"

Sonntag, 7. Januar
Viel, viel schlafen, downloaden, einkaufen und joggen

Montag, 8. Januar
Ägere mich heut das erste mal mit dem Waschmaschinen hier rum: es gibt nur Kaltwassermaschinen, wie soll man da die Wäsche sauberbekommen?
abends lernen und mit Daniel zum Joggen;

Dienstag, 9. Januar
Viel organisatorisches, abends Buffy (versteh aber nicht allzuviel, weil ich zwei Staffeln hintendran bin), dann zum Joggen;

Mittwoch, 10. Januar
Fetter Sonnenbrand am Pool, abends zum Joggen und Kampf mit diesen komischen Waschmaschinen und Trockenern;

Donnerstag, 11. Januar
Denke, ich hab jetzt meine Vorlesungen zusammen:
Approximation Theory
Nonlinear Programming
Problem Solving Techniques in Mathematics B
Aerodynamics and Propulsion
Computational Fluid Mechanics
Man muß hier zwischen drei und sechs Vorlesungen pro Semester machen und sich überall anmelden; mir sagen zwar alle, daß fünf Vorlesungen zu viel sind, und man das kaum schafft, aber wenn ich in München 10 Vorlesungen pro Semester schaffe, müssen hier fünf auch möglich sein, v.a. wenn sie hier in Vorlesungen, die für Achtsemesterstudenten sind, Sachen machen, die wir in München im zweiten Semester machen;

Freitag, 12. Januar
Wenn man nur hartnäckig genug und gleichzeitig freundlich bleibt, kommt man auch hier zum Ziel: ich bekomme heut Zugang zu weiteren Computerräumen, Druckern und auch Linux-Workstations;
abends ist endlich mal wieder American-Embassy-Party und danach gehts in den African Palace;

Samstag, 13. Januar
Ein typischer Samstag vorm Computer und im Bett;
abends Gillman Heights Party bei Ariola;

Sonntag, 14. Januar
Mittags Frühstück am Pool mit anschließender Sporteinheit; dann wollen wir zum Schlittschuhlaufen gehen, die Eisfläche ist uns aber zu klein und überfüllt, so daß wir das lieber mal unter der Woche noch mal probieren wollen; gehen stattdessen zum Bowlen; lerne dann die ganze Nacht;

Montag, 15. Januar
Buche heute meinen Rückflug nach Deutschland (mit Finnair): komme am Donnerstag, den 19. April 2001 wieder heim;

Da jetzt hier an der Uni nicht mehr so viel neue interessante Sachen passieren, werden sich ab jetzt meine Einträge etwas reduzieren!

Mittwoch, 17. Januar
Werde in meiner Aerodynamik- und meiner CFD-Vorlesung besonders oft vom Prof. aufgerufen, weil ein Großteil der Fluidmechanik in Deutschland vorangetrieben wurde, und ich dann immer bei der Aussprache der deutschen Namen behilflich sein muß;

Freitag, 19. Januar
Heute Stufe 4 (Haareschneiden), jetzt wirds wohl nur noch eine höchstens zwei weitere Stufen geben; war heut meine erste Wochen, wo ich jeden (Wochen-)Tag beim Joggen war; abends dann noch auf ne Discoparty hier auf dem Campus (natürlich ohne Alkohol);

Samstag, 20. Januar
Fahr übers Wochenende mit Markus und Christian nach Melaka (formerly Malacca), eine früher sehr bedeutende Handelsstadt in Malaysia; wir schaun uns etwas in der Altstadt und in Chinatown um: viele holländische, portugisische, englische und chinesische Einflüsse, es gab hier ständig wechselnde Machthaber; gönnen uns zum Abendessen einen lecker BBQ-Fisch mit einem scharfen Curry, abends gehen wir in ein Lokal, wo sich jemand am E-Piano mit Unterhaltungsmusik versucht, er hinkt aber bei den Beatles-Songs mit seinem Gesang zwei Takte hinterher;

Sonntag, 21. Januar
Frühstück beim Inder: lecker gelber Reis mit Chicken, verschiedene Currys, Roti Prata und anderes Brot; weils so gut schmeckt und Spaß macht, mit den Fingern zu essen, dehnen wirs gleich zum Mittagessen aus; dann etwas Kultur: ein Seefahrermuseum auf einem Schiff, ein Museum über verschieden Auffassungen von Schönheit in verschiedenen Kulturen: Feetbinding, Headshaping, Teethshaping, Piercing, Tatoos, etc.; treffen einen Schwung Austauschstudenen, die in Gillman wohnen; dann noch Shoppen; dann eine chinesische Grabanlage anschauen (in Singapore ist ja für so was kein Platz): zwei Hügel, die rundherum von oben bis unten mit Gräbern übersät sind; abends mit dem Bus wieder zurück nach Singapore; daheim noch Ratsch mit Ulf, der grad von Kuala Lumpur zurückgekommen ist;

Dienstag, 23. Januar (Chinese New Year's Eve)
Koche heut mit Ulf für unseren vietnamesischen Nachbarn Tonight und für Cecily Käsespätzle; schmeckt auch so ähnlich wie daheim, wir geben dem ganzen noch mit grünen Chillischoten einen asiatischen Touch;
Sumatra die anderen kommen jetzt plötzlich mit der komischen Idee daher, die freien Tage über Chinese New Year lernen zu wollen, so daß ich allein wegfahren muß; fahre also am späten Nachmittag mit der Fähre rüber nach Batam, eine indonesische Insel, eine halbe Stunde weg mit dem Boot (hier ist eigentlich nur Industrie, alle großen in Singapur ansäßigen Firmen haben hier ihre Produktionsstätten ausgelagert), in der Hoffnung, in der Nacht eine Fähre rüber nach Sumatra zu erwischen; es fährt aber keine mehr (oder zumindest kann oder will mir keiner darüber Auskunft geben); lande dann nach längerer Taxifahrt in einem überteuerten Guesthouse, hab noch längere Diskussion mit dem Taxifahrer; geh dann noch raus, was essen; ist das erste mal hier in Süd-Ost-Asien, daß mir etwas wirklich zu scharf ist; schau danach, daß ich schnell wieder in mein Zimmer komme, hab mich sogar in Kambodscha immer wesentlich sicherer gefühlt als hier; will dann Buffy anschauen, aber wegen Neujahr haben sie das Fernsehprogramm geändert;

Mittwoch, 24. Januar (Lunar New Year - Year of the Snake)
Mit Taxi zurück zum Ferry Terminal; Fähre fährt um 7.30 Uhr los, braucht mit ein paar Zwischenstopps auf ein paar Inseln 5 1/2 Stunden bis Buton (Ostküste von Sumatra), von da weitere 4 Stunden in nem überfüllten Bus nach Pekanbaru, eine langweilige Ölstadt; dann weitere 240 km oder 8 1/2 Stunden bis Bukittinggi (West-Sumatra) im Bus; dummerweise haben als ich um 2 Uhr in der Früh ankomme schon alle Guesthouses und Hotels zu;

Donnerstag, 25. Januar
Finde eine Bar, wo noch ein paar indonesische Jungs auf sind, und gesell mich für zwei Stunden dazu; ratsch dann, als alle Gäste weg sind, noch ne Stunde mit dem Wirt und darf dann noch ein paar Stunden bei ihm schlafen; such mir dann um 10 Uhr eine Unterkunft und gönn mir eine Dusche; schau mich dann in der Stadt um: schöner großer Markt, zwei große Vulkane und dazwischen ein 100 m tiefer Canyon; geh dort hinunter und so zwei, drei Kilometer im Canyon am Fluß entlang, finde dann einen kleinen Weg durch den Wald, der wieder hinaufführt; oben sind ein paar Gräber und eine Horde Affen; deren Chef blählt sich 10 m vor mir auf einem Baum auf und brüllt mich an, ich brülle zurück, nach 10 Minuten wird mir das ganze zu blöd und ich geh wieder zum Canyon hinuter und dann zurück in die Stadt;
schlafe dann noch ne Stunde zum Kräftesammeln und treff mich dann mit meinem Guide für die Nachtbesteigung vom Gunung Merapi, einer der beiden Vulkane (nicht zu verwechseln mit dem momentan aktiven Vulkan Merapi auf Java); da ein anderer, der mit auf den Berg wollte, absagt, muß ich für den Guide jetzt doppelt so viel bezahlen, das ist es mir aber wert; der Guide will etwas sein Deutsch verbessern, also lernen wir noch etwas Vokabeln und Grammatik; um Mitternacht gehts dann los;

Freitag, 26. Januar
Wir fahren mit Taxi zum Berg und starten bei 1300 m; nach 1 1/2 Stunden treffen wir auf einen Engländer und seinen Guide, die da im Wald schlafen; wir warten ne dreiviertel Stunde, bis sie wach sind, und gehen dann zu viert weiter; teilweise sehen die vielen Glühwürmchen und leuchtenden Pilze oder was auch immer wie Chrismas- bzw. Chinese New Year Decoration aus; gegen 4 Uhr kommen wir dann zur Vegetationsgrenze und es fängt voll zum schiffen an; wir bauen uns mit ner Plane einen kleinen Unterschlupf und machen uns mit Hilfe eines Lagerfeuers Tee und Nudelsuppe; um 5 wirds dann mit dem Regen besser und wir gehen weiter hoch; als wir nach ner Stunde oben auf fast 2900 m Höhe am Krater ankommen, regnets wieder ziemlich heftig und ist auch ziemlich zapfig; wir wickeln uns in eine Plane ein und warten auf den Sonnenaufgang, kriegen aber bei dem Regen und der Kälte nicht viel mit; auch ist es bei dem Regen und dem Donner zu gefährlich, in den Krater reinzugehen und zu schauen, ob aus dem Loch Rauch rauskommt; der Vulkan hatte erst vier Tage zuvor eine leichte Eruption und normalerweise so dreimal im Jahr ist er richtig aktiv, so daß er dann komplett für die Besteigung gesperrt wird, weil in den letzten Jahren schon mehrere Bergsteiger bei Ausbrüchen ums Leben kamen; um 8 Uhr halten wir die Käte nicht mehr aus und gehen trotz heftigen Regens wieder hinunter; jetzt bei Tageslicht sieht der Berg richtig steil aus; um 12 Uhr sind wir wieder in der Stadt und nach nem Frühstück und ner Dusche schlaf ich erst mal ein paar Stunden; abends noch mal auf den Markt und zum Essen;

Samstag, 27. Januar
Eigentlich will ich heute an einen großen See fahren, wegen schlechten Wetters laß ich das aber bleiben und mach lieber eine Tour durch die umliegenden Dörfer mit; wir sehen Plantagen für Bananen, Kaffee, Zimt, Nelken, Chilli-Pfeffer, alte traditionelle Häuser, Königspalast, alte Kaffemühlen, eine Sarong-Weberei und fahren dann noch an einen See;
um 8 Uhr abends mach ich mich dann wieder auf den Rückweg mit dem Minibus; bis auf ne Reifenpanne kommen wir ziemlich schnell durch, so daß wir um 2 Uhr schon in Pekanbaru sind;

Sonntag, 28. Januar
Ein indonesischer Junge und seine Schwester, die mit mir im Bus sind, laden mich ein, bei ihnen zu schlafen, weil ich natürlich um 2 Uhr keine Unterkunft mehr finden würde; die ganze Familie steht dann extra noch mal auf und wir ratschen noch bis um halb vier und schauen dann noch eine Stunde Video; dann schlafen bis um 7 und die älteste Tochter (die Minangkabau hier in West-Sumatra sind matrilinear organisiert) bringt mich dann zu meinem Bus; dann der ganze anstrengende Weg über Buton und Batam wieder zurück nach Singapore; helf dann noch einem amerikanischen Traveller, den ich auf der Fähre kennengelernt hab, sich in Singapore zurechtzufinden und bin dann um halb zwölf wieder daheim an der Uni;

Montag, 29. Januar
Das Probe-Abo der SZ funktioniert auch in Singapur; kommt zwar mit genau einer Woche Verspätung und auch ohne die Jetzt an, aber immerhin;
abends ist unser ganzer Stock bei den Mädels vom 5. Stock zum Supper eingeladen;


Februar 2001
12:52 AM 2/4/01